Der weibliche Blick auf wissenschaftliche Fragestellungen eröffnet neue Perspektiven, stellt etablierte Annahmen infrage und bereichert die Forschung um bislang zu wenig beachtete Sichtweisen. Unterschiedliche Lebensrealitäten und Erfahrungshorizonte führen zu anderen Fragen, Methoden und Interpretationen – ein Gewinn für jedes Fachgebiet und für die Wissenschaft insgesamt. Damit gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Fortschritt gelingen kann, ist es daher entscheidend, dass die Erkenntnisse von Frauen sichtbar werden und die gleiche Anerkennung erfahren wie die ihrer männlichen Kollegen.
Auf diese Missstände machte der Rektor der Hochschule Offenburg, Prof. Dr. Stephan Trahasch, in seiner Einleitungsrede zur Verleihung des Equality Award 2025 aufmerksam. Der Equality Award bietet Nachwuchswissenschaftlerinnen eine Bühne, auf der sie ihre Leistungen präsentieren können. In diesem Jahr wurde die Auszeichnung bereits zum fünften Mal vergeben – für besondere wissenschaftliche oder künstlerische Leistungen in einer Abschluss- oder Projektarbeit. An der Auswahl sind alle vier Fakultäten beteiligt, die jeweils eine Studentin aus ihren Reihen nominieren.
Preisträgerinnen als Vorbild
Trahasch betonte insbesondere die Vorbildfunktion der Preisträgerinnen. Sie zeigten nachfolgenden Generationen von Frauen, dass sie ihre Wünsche und beruflichen Perspektiven nicht begrenzen müssen. Mit ihrem Beispiel ermutigten sie jüngere Frauen, in die Wissenschaft zu gehen und dort Karriere zu machen.
Die Bandbreite der ausgezeichneten Themen war groß. Für die Fakultät Elektrotechnik, Medizintechnik und Informatik (EMI) erhielt Laura Dippel den Preis. In ihrer Masterarbeit verglich sie „verschiedene nicht-invasive EKG-Parameter zur Quantifizierung von Niedervoltagearealen im elektroanatomischen Map“. Die Medizintechnik-Studentin schloss ihr Studium mit der Note 1,0 ab und setzt ihre wissenschaftliche Laufbahn mit einem Zweitstudium der Humanmedizin fort. In der Laudatio wurde insbesondere die gelungene Verbindung von Medizintechnik und klinischer Praxis hervorgehoben: „Mit großem Engagement, klarer Struktur und viel Eigeninitiative hat Frau Dippel gezeigt, wie ingenieurwissenschaftliche Methoden einen echten Beitrag zur medizinischen Diagnostik leisten können.“
Lena Engler aus der Fakultät Maschinenbau und Verfahrenstechnik (M+V) beschäftigte sich in ihrer Bachelorarbeit, die sie in Kooperation mit der Graf Holding GmbH verfasste, mit Kunststoffrecycling und Upcycling. Sie verband fundierte Stoffstromanalysen mit materialwissenschaftlichen Untersuchungen. „Die Arbeit zeichnet sich durch innovative eigene Ideen, methodische Tiefe und einen klaren Praxisbezug aus“, urteilte ihre betreuende Professorin Prof. Dr. Heide Biollaz.
Die Fakultät Medien entschied sich in diesem Jahr, gleich zwei Preisträgerinnen auszuzeichnen, da beide Arbeiten auf unterschiedliche Weise herausragend waren. Julia Marcia Mann schloss ihren Masterstudiengang Medien und Kommunikation mit einer außergewöhnlichen Arbeit ab, in der sie zwei scheinbar gegensätzliche Welten miteinander verband: das „weiche“ Thema Coaching und das „harte“ Thema Künstliche Intelligenz. Sie vereinte fundiertes KI-Wissen, empirische Forschung und einen klaren Praxisbezug. Direkt im Anschluss an ihre Thesis trat sie eine Promotionsstelle an der DHBW Karlsruhe an. Ihr Betreuer Prof. Thomas Breyer-Mayländer bezeichnete sie als „Musterbeispiel für hohe Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit“ und als Role Model für Frauen in der Wissenschaft.
In der zweiten ausgezeichneten Arbeit der Fakultät Medien untersuchte Celine Marx ein hochaktuelles Thema: den Einfluss des in sozialen Medien zunehmend populären Trends der Tradwife-Bewegung auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Arbeit überzeugte die Auswahlkommission durch die sorgfältige Durchführung der Interviews und eine reflektierte Einordnung der Ergebnisse. Sie leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Genderforschung und zur Auseinandersetzung mit aktuellen Geschlechterrollen im digitalen Raum. Ihre Betreuerin Prof. Dr. Ute Rohbock resümierte: „Die Bachelorarbeit stellt eine zeitgemäße wissenschaftliche Leistung dar, die sich kritisch mit aktuellen Dynamiken der Geschlechterrollen im digitalen Zeitalter auseinandersetzt.“
Auch die Fakultät Wirtschaft zeichnete eine Studentin für eine herausragende Arbeit mit Genderbezug aus. Karolin Richter widmete sich in ihrer Bachelorarbeit dem Thema „Strategien zur Karriereförderung von Frauen. Eine Untersuchung der Maßnahmeneffizienz bei der United Internet AG“. Die Studentin der Wirtschaftspsychologie analysierte fundiert, wie Frauenkarrieren insbesondere in Unternehmen mit überwiegend männlicher Belegschaft wirksam gefördert werden können. In der Laudatio wurde vor allem die gelungene Verbindung von wissenschaftlicher Fundierung und konkreten, umsetzbaren Handlungsempfehlungen hervorgehoben: „Mit ihrer fachlichen Stärke, ihrem klaren Praxisbezug und ihrem Engagement leistet Frau Richter einen wichtigen Beitrag zur Gleichstellung in der Arbeitswellt.“